Me, Myself and I!

Warum tust du dir das an?

Eine Frage, die mich heute erreicht hat nachdem ich ein Foto meines halb fertig gebundenen Adventkranzes geteilt hatte. Um ehrlich zu sein ich war überrumpelt. Nicht nur überrumpelt sondern auch ziemlich sprachlos. Wann haben wir begonnen das Leben nicht mehr als das großartige Geschenk zu sehen das es ist, sondern als nahezu unerträgliche Last? Und vor allem: Woran liegt es, dass wir im Vergleich zur Generation unserer Urgroßeltern nur mehr halb so viel Schweiß vergießen, dafür doppelt so viele Tränen?

Was ist der Sinn meines Lebens? Das ist eine weitere Frage die sich viele Menschen erst gar nicht stellen und falls doch, keine Antwort darauf finden. In meiner Generation wimmelt es geradezu von Menschen die für sich selbst die Frage nach dem Sinn des Lebens mit „Endlich mal auf mich schauen“ beantworten. Immer nur die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen die dann der Partner, die Kollegen, Freunde, Bekannte, Verwandte erfüllen sollen. Außerdem wird sorgfältig darauf geachtet das immer unter dem Deckmäntelchen „…ich tu ja sonst immer alles für alle – jetzt schau ich EINmal nur auf mich!“ zu tun. Endlich mal auf sich zu schauen und sich selbst Wünsche zu erfüllen kann was herrliches sein. Das traumhafte Gefühl sich etwas gönnen zu können was man sich sonst nie erlaubt – das ist wirklich schön. Aber warum empfinden Menschen die sich immer nur selbst die nächsten sind nie diese absolute „Gönn dir!“ Freude?

Jeder Schokoriegel den man sich nach einer Diät gönnt schmeckt wie Schokolade direkt aus dem Himmel. Haut man sich aber alle paar Stunden einen Schokoriegel rein wird man am Ende gar nicht mehr merken wie lecker er schmeckt.

Was ich damit sagen will ist: Viele sind längst dazu übergegangen es als selbstverständlich anzusehen, dass die eigenen Interessen immer im Vordergrund stehen. Dass das niemanden wirklich erfüllt muss ich an dieser Stelle nicht dazu sagen.

Arbeit ist anstrengend…!

Ein weiterer Irrglaube dem viele folgen ist, dass Arbeit furchtbar anstrengend ist und um jeden Preis gemieden werden muss. Alleine die vielen „Ich hasse Montag!“-Memes die nach jedem Wochenende durch die sozialen Netzwerke geistern sind ein klares Zeichen dafür, dass wir als Menschheit irgendwo falsch abgebogen sind. Jeden Montag warten wir auf das Wochenende, jedes Jahr auf den Urlaub und solange wir arbeiten auf die Pension. Mehr als die Hälfte unseres Lebens damit zu verbringen darauf zu warten dann vielleicht für 15 oder 20 Jahre „frei“ sein zu können kann einfach nicht der Sinn unseres Lebens sein.

Und weil Arbeit so furchtbar ist versuchen viele sie um jeden Preis zu meiden und dadurch Zeit zu sparen! Der Baum im Garten wird gefällt weil man seine Zeit nicht damit verschwenden will im Herbst das Laub aufzurechen. Für den Rasen wird ein Roboter angeschafft, Blumenbeete werden durch Rasen ersetzt. Am Ende kann man dann die viele gesparte Zeit darauf verwenden in einem seelenlosen Garten zu sitzen und genervt vor dem Smartphone darauf zu warten was Trump als nächstes zwitschert.

Dass egal welche Arbeit nicht immer Spaß macht und es auch Tage gibt an denen man nicht unbedingt das Bedürfnis hat beschwingt ein Liedchen zu pfeifen während man sie verrichtet ist mir durchaus bewusst.

Glücklich ist nicht wer von allem das Beste hat, sondern wer fähig ist aus allem das Beste zu machen!

Denn…

Dinge einfach zu tun und danach über das Ergebnis zu staunen ist unglaublich erfüllend. Sich selbst einfach mal nicht der nächste zu sein sondern den Tag damit zu verbringen an einem größeren Ziel zu arbeiten. Einfach mal seine Zeit damit zu verschwenden etwas zu machen was man irgendwo billiger kaufen oder schneller erwerben könnte. Einem Job nach zu gehen der zwar wesentlich weniger Geld bringt als ich anderswo bei gleichem Zeitaufwand verdienen könnte, die Nase in die Sonne zu halten obwohl ich in einem Solarium kontrollierter und gleichmäßiger braun werden könnte oder die Zeit die mir jetzt mit meinen Kindern geschenkt ist voll auszukosten auch wenn ich mit einer Vollzeitanstellung in 40 Jahren monatlich mehr von der Pensionsversicherungsanstalt ausgezahlt kriegen könnte. Das ist es was mich erfüllt.

Auch gemeinsam mit meiner Familie bei Eiseskälte Reisig vom Baum zu schneiden und daraus selbst einen Adventkranz zu binden den ich beim Hofer wesentlich einfacher und günstiger kaufen könnte gehört für mich dazu. Nicht überall dabei zu sein, nicht über alles bescheid zu wissen und vor allem mich selbst nicht immer so wichtig zu nehmen ist das was mein Leben mit Sinn erfüllt. Genau aus diesem Grund sollte die Frage nicht lauten „Warum tu ich mir das an?“ sondern „Warum tut ihr euch das an?“

2 Gedanken zu “Me, Myself and I!

  1. Danke für diese Worte! Es ist so wahr. Genau das habe ich gerade als Bestätigung gebraucht! An dem Punkt bin ich nämlich gerade: mehr Geld für etwas, das ich nicht tun will oder weniger, aber dafür etwas, was mich erfüllt, wo ich noch Zeit und Nerven habe für den Rest des Lebens. Wer weiß schon, wie lange unser Leben so geht und ob wir die Rente auf die alle so hart hin arbeiten überhaupt erleben. Das Leben ist jetzt. ☀️

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    1. Vielen vielen Dank für deine Worte! 🙂 Ich freu mich sehr, dass du das ähnlich siehst wie ich! Wenn man sein Leben schon jetzt so versucht zu gestalten, dass man es in vollen Zügen genießen kann muss man auf nichts mehr warten. Nicht auf den Urlaub, das Wochenende und schon gar nicht auf den Ruhestand der noch so weit entfernt ist, dass ungewiss ist ob und wie wir ihn dann erleben und genießen können!

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