Menschen sind wie Hühner – nur ohne Federn!

„Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant“.

Hoffmann von Fallersleben

Wow – tolles Sprichwort.
Aber was will es mir sagen?

Zu aller erst gilt es zu klären, was ein Denunziant denn überhaupt ist.

Mal angenommen du gehst in der Nacht durch eine Fußgängerzone und siehst dort auf einem Parkplatz ein Auto stehen. Im Auto ist schummriges Licht und die Karrosserie bewegt sich rhythmisch auf und ab. Was würdest du machen?

Anklopfen um sicher zu gehen, dass es wirklich das ist wonach es aussieht?
Froh sein, dass du auf zwei Liebende triffst anstatt zu einer Schlägerei zu kommen?
Dich für die beiden freuen, dass sie gerade mächtig Spaß haben während andere schlafen?

Das wären zumindest die Dinge die ich in Betracht ziehen würde.
Dann gibt es da aber auch noch Menschen, die durch die Straßen spazieren auf der Suche, nach Gründen ihrem Frust Luft zu machen. Menschen die nur darauf warten, dass jemand im Rauchverbot eine Zigarrette anzündet, im Parkverbot stehen bleibt oder ohne Mundschutz in die Tankstelle geht. Sie warten auf jede auch noch so kleine Verfehlung um dann die Polizei zu rufen und Anzeige zu erstatten. Menschen für die es ein Volksfest ist andere anzuzeigen um ihnen den Spaß zu verderben den sie selbst gerne hätten – das sind Denunzianten.

Die Gesellschaft, die Hühner und Ich!

Schön und gut, aber was hat das mit Hühnern zu tun?
Ich will es euch verraten!

Hühner sind von Grund auf friedliche Wesen. In ihrem Gehege scharren sie ein wenig herum, picken etwas auf oder gönnen sich eine Pause in der Sonne. Jeder so gut es geht auf den anderen Rücksicht. Droht Gefahr werden die anderen durch lautes Gackern aufmerksam gemacht damit sie sich in Sicherheit bringen können. Jeder für sich und doch gemeinsam. Kommt dann jemand und wirft einen dicken Wurm ins Gehege bietet sich ein völlig anderes Bild. Die Bauernhof-Idylle weicht einem Bürgerkriegsszenario. Es werden Federn ausgezupft, auf Köpfe gepickt und laut gackernd der schon fast verschlungene Wurm entwendet.

Wenn wir jetzt aufhören Würmer zu werfen und einen Blick auf unsere Gesellschaft werfen bietet sich ein ganz ähnliches Bild. Wir plündern Regale, fahren uns Gegenseitig mit dem Einkaufswagen über den Haufen und gackern zwischendurch laut nach Klopapier oder Germ. Ich hab sogar beobachtet wie ein bereits gekauftes Toastbrot in einem unbeobachteten Augenblick aus einem Wagerl entwendet wurde weils drinnen keines mehr gegeben hat.

Dazu kommen dann noch selbsternannte Bürger-Sherrifs die in Ermangelung anderer Beschäftigung den lieben langen Tag am Fenster sitzen um „Sicherheitsvorschriften-Missachter“ bei der Polizei oder „Fake-News-Verbreiter“ auf Facebook zu melden. Alles nur zum Wohle der Allgemeinheit – versteht sich.

Wisst ihr was ich an den Hühnern besser finde als den Menschen?
Die wenigsten unter ihnen kennen das Wort Solidarität.
Während wir anfänglich noch solidarisch singend und klatschend an den Fenstern gestanden sind haben die Hühner vermutlich getan was sie immer tun. Was sie aber bestimmt nicht gemacht haben ist Mitgefühl, Nächstenliebe und Solidarität zu heucheln.

Bevor wir also das nächste mal eine Leiter an unsere Hauswand lehnen um Arbeit vorzutäuschen, wobei wir eigentlich nur kontrollieren wollen ob die Nachbarn ausreichend Abstand halten oder Spaß haben den ich nicht habe, sollten wir kurz innehalten.

Nur einen Moment um zu hinterfragen wer dabei ist einen Wurm in unser Gehege zu werfen um sich anschließend am Gegacker und den ausgerupften Federn zu erfreuen?

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