Aus meinem Kind soll mal was werden!

Spielen, Herumtoben und einfach nur Kind sein dürfen war gestern!
Fördern, fördern und nochmal fördern lautet das Gebot der Stunde!

Wie in den frühen 80ern die Aerobic-Studios sprießen heute die Förderungseinrichtungen für Kinder wie Pilze aus dem Boden.

Englischkurse für Säuglinge und MINT-Förderung (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) für Vorschüler – alles was das eitle Mama-Herz begehrt wird geboten denn:
Aus meinem Kind soll mal was werden!

An diesem Punkt möchte ich alle aufgebrachten Gemüter erst mal beruhigen denn – irgendetwas wird aus jedem Kind.
Die zentrale Frage für mich ist: Was soll denn der Meinung der Eltern nach aus ihren Kindern werden?

Massenprodukt Einstein

Vergangenen Herbst hat es ein junger Belgier geschafft mit nur neun Jahren sein erstes Studium abzuschließen. Bewundernswert wie ich finde.
Der Kommentar einer Mutter aus unserer Spielegruppe dazu war „Pfff das könnte meine Clara auch – aber die Volksschule bei uns fördert die Kinder einfach nicht genug!“

…Ist aber auch wirklich ein Armutszeugnis für betreffenden Volksschule, dass die meisten Kinder mit neun dort noch keinen Bachelortitel in der Tasche haben.

Für alle Eltern ist das eigene Kind das tollste Kind der Welt – und das ist gut so! Problematisch finde ich allerdings die Eltern, die ihr Kind nicht von Haus aus für das beste halten, sondern erst zum „Wunderkind“ erziehen wollen.

Was nicht passt, wird passend gemacht, und wenn mein Kind nicht der kleine Wolfgang-Amadeus ist den ich mir gewünscht habe wird er einfach so lange durch alle denkbaren musikalischen Frühförderungskurse gezerrt bis das Resultat stimmt.

Doch auch wenn die Kinder nach jahrelanger (Über)förderung ausgebrannt, wütend und aggressiv werden, wird ihre Not nicht erkannt. Für Eltern von, zu Wunderkindern erzogenen, Individuen ist der Fall bei Verhaltensauffälligkeiten klar – mein Kind ist hochbegabt und verhält sich deswegen so auffällig. Es muss einfach noch mehr gefördert werden.

Ginge man den Erzählungen der Eltern nach sind ca. 70% der Kinder unter uns Wunderkinder. Die Bezeichnung „hochbegabt“ müsste eigentlich von „unterbegabt“ ersetzt werden wenn die prozentuelle Zahl der Kinder die keine Einsteins sind nur bei rund 30% liegt.

Was soll nur aus dir werden…?

Auf die Frage was aus den Kindern solcher Eltern werden soll habe ich an dieser Stelle leider keine Antwort parat.
Was aus meinen Kindern werden soll weiß ich aber ganz genau.

Meine Kinder sollen glückliche, stabile und zufriedene Erwachsene werden.
Ob als Arzt, Anwalt, Verkäufer oder Straßenmusikant ist nicht so wichtig.

Denn eines dürfen wir nie vergessen:
Nicht alle Kinder sind Wunderkind, aber jedes Kind ist ein Wunder!