„Mir hats auch nicht geschadet“

Kennt ihr diesen Spruch?
Und kennt ihr Leute die ihn immer wieder gerne verwenden?
Verwendet ihr ihn auch selbst?

Immer wieder stolpere ich zurzeit im Netz über Berichte in denen es über steigendes Aggresionspotential und Gewaltbereitschaft der Menschen geht.
Meistens komme ich dann nicht drum herum, mich durch die Kommentare der Leserschaft zu klicken. Und dort stoße ich immer wieder auf folgendes:

Die haben es nicht anders gelernt. Die hatten bestimmt eine schlimme Kindheit. Gewalt setzt sich über Generationen hinweg fort. Aus Opfern werden Täter!

Soweit so richtig. Zumindest inhaltlich wurde dies mehrfach wissenschaftlich bestätigt. Was mir aber an der ganzen Sache sauer aufstößt ist, dass diese Erkenntnis fast schon mantraartig als Entschuldigung für Fehlverhalten benutzt wird.

Frei nach dem Motto „Ich bin an der Gewalt in meiner Kindheit nicht gestorben, also werden meine Kinder das auch aushalten!“

Oder was ich noch viel verstörender finde: viele scheinen mit der Meinung durchs Leben zu gehen, dass man alles Negative das einem im Leben widerfahren ist getrost auch anderen zufügen darf.
Fast schon so, als gäbe es keine Wahl denn – aus Opfern werden ja Täter wie wir wissen.

Stop!

Und hier möchte ich an alle apellieren.

Es gibt IMMER eine Wahl!

Das Leid, dass uns widerfahren ist bei Gelegenheit anderen Menschen zuzufügen ist schlicht und ergreifend falsch. Weil ich geschlagen worden bin, ist es nicht weniger verwerflich andere zu schlagen. Nur weil ich betrogen worden bin, ist das noch lange kein Freibrief das selbe Leid unserem Partner zuzufügen. Nur weil mein Chef mich in meiner Lehrzeit drangsaliert hat heißt das nicht, dass ich mit meinem Lehrling gleich schlecht umgehen muss sobald ich in der Machtposition bin.

Auch schlimme Erfahrungen aus der Vergangenheit immer wieder in die Gegenwart und auf unsere Mitmenschen zu projezieren ist nicht richtig. Meinem Mann vorzuhalten, dass er XY nicht soll, weil „Mein Ex hat damals im Jahre Schnee auch XY gemacht und mich damit sehr verletzt!“ ist falsch und schleppt automatisch das Leid aus dem Jahre Schnee mit ins Hier und Jetzt.

Gib jedem Tag die Chance der schönste deines Lebens zu werden!

Körperliche und seelische Verletzungen sind schlimm.
Je früher solche Erfahrungen gemacht werden, umso schlimmer sind sie.
Vielleicht ist das eigene Leid sogar eine Erklärung für heutiges, falsches Verhalten.
Aber es wird niemals eine Entschuldigung sein!

Ich glaube der Schlüssel ist, die eigenen negativen Erfahrungen als Chance zu sehen. Als Chance es selbst besser zu machen und nicht dafür verantwortlich zu sein, einen weiteren Menschen mit Derartigem zu belasten!

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